Der richtige Fischbesatz für ein Aquarium

Von   30. Juni 2014
Es kommt leider immer wieder vor, das Anfänger die falschen Tiere in ein Aquarium setzen. Der richtige Besatz harmoniert miteinander. Jeder Fisch hat seine Lebensweiße und so gibt es einige Fische die sind für Aquarien ungeeignet oder brauchen sehr viel Platz. Weiterhin muss darauf geachtet werden, dass die Wasserparameter zusammen passen. Dazu gehört sowohl Temperatur aber auch PH-Wert oder die Wasserhärte.

Typische Fehlbesatz

Goldfische

Goldfische sind nur bedingt für ein Aquarium geeignet. Dies liegt an 2 Gründen.
  1. Goldfische brauchen es relativ kühl, zwar sind im Sommer Temperaturen bis 25°C akzeptabel aber im Winter sollte es ruhig abkühlen und 8-15°C sind in einer Wohnung allerdings kaum zu erreichen
  2. Sie brauchen sehr viel Platz, das Aquarium sollte zum Überwintern mindestens 200l für eine dauerhafte Haltung über 500l bieten.
Goldfische gehören daher eigentlich in den Gartenteich und haben in einem 54l Wohnzimmeraquarium nichts verloren, darunter fallen auch die sogenannten Schleierformen oder andere Zuchtformen.

Skalare

Auch wenn sie majestätisch durch das Wasser gleiten gilt auch für Skalare: Sie sind anspruchsvolle Fische. Diese Fische benötigen viel Platz und eine große Beckenhöhe. So können Skalare durchaus eine Höhe von 30cm und mehr erreichen. Weiterhin sind Skalare Gruppenfische und sollten nicht paarweiße gehalten werden. Da es beim Ablaichen aber zu viel Rangeleien kommt, sollten dementsprechend große Becken vorhanden sein. Die ganz klare Empfehlung bei Skalaren lautet deutlich über 500l Wasserinhalt bei einer Beckenhöhe von 60cm oder mehr. Erst dann können Skalare artgerecht gehalten werden.

Prachtschmerlen, Feuerschwanz-Fransenlipper, Siamesische Rüsselbarbe

Für diese Tiere gilt ähnliches wie bei den Skalaren, sie werden sehr groß und sollten zudem in Gruppen gehalten werden. Der einzige Unterschied zu den Skalare ist, dass diese Fische eher am Boden leben und daher nicht unbedingt eine so große Beckenhöhe benötigen, 50cm würden hier ausreichen. Aber auch hier sollten viele Liter Wasser zur Verfügung stehen. Gerade die Prachtschmerlen werden besonders groß und sollte nicht unter 1000l dauerhaft gehalten werden, für Feuerschwanz-Fransenlipper und Siamesische Rüsselbarbe können 500l durchaus ausreichend sein.

Harnischwelse

Darunter fallen die beliebten L-Welse bzw. Ancistrus Sp. auch Antennenwels genannt. Eigentlich sehr gut für ein Aquariun geeignet, wenn man ein paar Punkte beachtet um diese wunderschönen Tiere zu halten:
  • Die meisten Welse mögen es warm, bitte genau informieren und das Aquarium dementsprechend heizen, meist sind 26°C absolute Untergrenze
  • Holz ist für die Verdauung von Harnischwelsen essenziell. Eine Wurzel darf keinesfalls im Aquarium fehlen
  • Viele Welse sind hauptsächlich Fleischfresser und sollten dementsprechend gefüttert werden, manche brauchen aber auch Grünfutter. Bitte vor dem Kauf genau informieren was euer Wunschwels benötigt.
Wenn man dies beachtet sind Harnischwelse ein toller Besatz, man sollte sie aber nicht als „Algenfresser“ einsetzen, denn dies sind sie keinesfalls sondern auch Harnischwelse brauchen zuwendung wie alle anderen Tiere und dürfen nicht als „Nutzfische“ gehalten werden. Oftmals werden sie auch dafür verantwortlich gemacht, dass sie Pflanzen fressen. Dies ist oftmals nur bedingt richtig und die Pflanzen gehen meist aus anderen Gründen kaputt und die Welse fressen schlimmstenfalls noch die Reste der schon kaputten Pflanze.

Buntbarsche mischen aus Südamerika und Afrika

Oftmals werden leider auch sogenannte „Barsche“ (falsch -> Barsche sind das nicht, es handelt sich um sogenannte Buntbarsche mehr dazu hier) aus Südamerika und Afrika miteinander gemischt. Dies sollte unbedingt vermieden werden, da die Tiere komplett andere Ansprüche an das Aquarium stellen. Südamerikanische Buntbarsche haben es gerne weich und sauer. Die Härte sollte bei den meisten Tieren gering sein und der PH darf ruhig unter 7 liegen. Im Gegensatz dazu, mögen es die afrikanischen Buntbarsche aus dem bekannten Seen (Malawisee, Viktoriasee, Tanganjkasee) gerne Hart und alkalisch. Die Karbonathärte sollte durchaus über 10 liegen, der PH Wert sollte durchaus 8 überschreiten. Dies zeigt schon, das die Tiere komplett verschiedenes Wasser benötigen und daher nicht vermisch werden sollten

Fische im Nano-Aquarium

Leider werden immer wieder Fische in Nano-Aquarien eingesetzt. Meist ließt man von Neons, Mini-Panzerwelse, Mini-Guppys und oft werden auch Perlhuhnbärblinge als „Nano-Fische“ verkauft. Doch auch Perlhuhnbärblinge sind fleißige Schwimmer und haben in Aquarien unter 54l nichts verloren. Leider passen all die Tiere nicht in einen Nano-Aquarium und brauchen deutlich mehr Platz. Es gibt nur wenige Fischarten, welche sich in einem Nano-Aquarium halten lassen

Gruppenfische

Sehr viele Fische sind sogenannte Gruppenfische und sollten nicht in zu kleiner Menge gehalten werden. Meist werden 10 Tiere als Untergrenze angesetzt, es dürfen aber durchaus immer mehr sein. Ein paar Arten die eigentlich immer unter Gruppenfische fallen:
  • Corydoras / Panzerwelse
  • Salmler aller Art (z.B. Neons)
  • Barben/Bärblinge (Keilfelckbärblinge, Perlhuhnbärblinge, etc.)

Gut gewählter Fischbesatz

Hier möchte ich noch ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie man ein Aquarium optimal besetzen kann, dies sind nur Vorschläge und es kann natürlich davon abgewichen werden:

Aquarium unter 54l

Diese Aquarien sind nur sehr bedingt für Fische geeignet. Ab 30l können einige Killifscharten als Pärchen gehalten werden. Ansonsten sind sie eher für Garnelen geeignet.

54l Standardaquarium

  • 15 Perlhuhnbärblinge
  • 10 Corydoras habrosus
Dies sind 2 relativ kleine Fische die sich in einem kleinen Aquarium durchaus wohl fühlen. Die Temperaturansprüche sind relativ gleich, so das der Heizstab auf etwa 25°C eingestellt werden kann.
  • Guppy Artenbecken evtl. mit Otocinclus nach einiger Zeit dazu setzen
Oftmals wird behauptet, das Becken platzt irgendwann durch den Guppynachwuchs wenn man beide Geschlechter hält. Dies ist jedoch nachweislich falsch. So habe ich ein reines Guppyartenbecken mit 54l Wasserinhalt. Angefangen mit 2 Männchen und 5 Weibchen. Anfangs ist die Population stark angstiegen hat sich aber nach wenigen Monaten bei ~30-40 Fischen eingependelt womit das Becken jetzt seit über 1 Jahr stabil läuft. Es gibt nahezu keine Tote und auch der Nachwuchs lässt deutlich nach. Wenn man dann mal einige Tiere abgibt, kommt wieder etwas Nachwuchs hoch bis die Populationsgrenze erreicht ist. Da die Otocinclus Aufwuchsfresser sind, sollten sie erst nach einiger Zeit in das Aquarium eingesetzt werden. Sie brauchen einen Algenfilm auf Einrichtungsgegenstände den sie abgrasen können. Zum Thema Otocinclus empfehle ich diese Seite zu lesen, sie beschreibt die Tiere gut und ausführlich und auf was geachtet werden muss.

112l Standardaquarium

  • 20 rote Neons
  • 10 Corydoras aeneus oder 2-3 Antennenwelse oder ein Pärchen Apistogramma
Diese Fische passen gut zusammen, sie mögen es gerne etwas wärmer und es dürfen durchaus 26-27°C eingestellt werden. Auch darf das Wasser gerne durch Torf gefiltert werden und einen leicht braunen Farbton bekommen, dies bekommt den Tieren sehr gut. Laub oder Erlenzapfen als weitere Dekorationsmöglichkeit sind in solchen Aquarien sehr zu empfehlen.

200l Standardaquarium

  • 20 Blutsalmler
  • 2 von den 3 genannten Arten: 15 Corydoras aeneus, 2-3 Antennenwelse, 1 Pärchen Apistogramma
Auch hier handelt es sich um ein typisches Südamerikaaquarium. Der Boden wird von 2 Arten genutzt, was bei der Beckengröße durchaus funktioniert. Dies soll nur einige Beispiele zeigen und es sind natürlich viele Abwandlungen oder ganz andere Besatzmöglichkeiten möglich.
Falls sie noch weitere Fragen zu diesem Artikel haben, so nutzen sie doch die kostenlose Möglichkeit, bei den Aquaristikfreaks im Aquariumforum nachzufragen. Wir würden uns freuen, Sie als aktives Mitglied begrüßen zu dürfen


Teilen und helfen Sie Ihren Freunden:
Share